Branding
November 14, 2025
4 Minuten

Wie gutes Design Politik verändern kann: 

Die Kampagne von Zohran Mamdani

Auch wenn ich in den letzten zwei Jahren oft froh war, wieder in Deutschland zu sein, vor allem, wenn man auf das politische Chaos rund um Trump blickt, erinnert mich die Kampagne von Zohran Mamdani daran, was New York für mich bedeutet und was diese Stadt so einzigartig macht: Energie, Vielfalt, Mut. Und sie beweist wieder einmal, dass gutes Design die Welt verändern kann.

Zohran Mamdani, Aktivist, Sozialist und Sohn ugandischer Einwanderer, ist zum ersten muslimischen Bürgermeister von New York City gewählt worden. In einer Zeit, in der politische Kommunikation zunehmend gleichförmig wirkt, hat seine Kampagne gezeigt, dass Design weit mehr ist als ein ästhetisches Beiwerk. Es ist Haltung. Sprache. Und im besten Fall ein Werkzeug gesellschaftlicher Veränderung.

Mamdani spricht nicht von oben herab, sondern von nebenan. Seine Botschaften sind klar, konkret und direkt: „Freeze the rent“, „Fast & free buses“, „Childcare for all.“ Keine Worthülsen, keine PR-Floskeln. Stattdessen Gestaltung, die Haltung sichtbar macht.

Das visuelle System stammt von Forge Design in Zusammenarbeit mit Tyler Evans, der Plakate, Illustrationen und Social Assets entwickelt hat. Mit im Team war auch Rama Duwaji, SVA-Alumna im Fach Illustration, seit Anfang 2025 Zohrans Frau und New Yorks erste Gen-Z First Lady. Dass Rama Duwaji ebenfalls an der School of Visual Arts studiert hat, überrascht mich nicht, eine Uni, die kreative Exzellenz mit Haltung verbindet. Ein Jahr vor ihr habe ich dort meinen Master gemacht und gelernt, Design als Sprache zu verstehen. Vielleicht erkenne ich gerade deshalb so deutlich, wie viel gestalterische Intelligenz in dieser Kampagne steckt: ein Paradebeispiel dafür, wie Design Haltung sichtbar machen kann.

Anstatt auf das gewohnte City-Hall-Blau zu setzen, wählte das Team ein elektrisches Königsblau, kombiniert mit leuchtendem Orange und warmem Rot. Diese Farben sind New York pur: MetroCards, Taxis, Bodega-Schilder. Die Typografie wirkt handgezeichnet, inspiriert von den Schildern kleiner Läden in Brooklyn oder Queens. Nichts daran wirkt generisch oder poliert, sondern echt, rau, lebendig. Das Design fühlt sich nicht nach Politik an, sondern Community.

Foto links: Zohran Mamdani Campaign Press Kit
Foto rechts: Campaign Visuals, Design: Forge Design & Tyler Evans

“Turning supporters into ambassadors”

Was Mamdanis Kampagne so stark macht, ist ihre Konsequenz. Sie ist kein einzelnes Plakat, kein cleverer Claim, sondern ein System, das über alle Kanäle hinweg funktioniert, von Stickern und Bannern bis zu Social Posts und Merch. Jedes Element folgt denselben Prinzipien: kräftige Farben, klare Formen, prägnante Botschaften. Und weil das Design bewusst einfach und reproduzierbar angelegt wurde, konnten Unterstützer:innen eigene Materialien gestalten, ohne dass sie an Charakter verloren. Das visuelle System wurde zur Bewegung: „Turning supporters into ambassadors“, wie Tyler Evans es einmal beschrieben hat.

Besonders spannend ist, dass sich viele lokale Designer:innen freiwillig beteiligt haben, mit Animationen, Illustrationen und Social Content, teils kostenlos. Die Kampagne war kein Top-down-Projekt, sondern ein Gemeinschaftswerk. Politik, die von der Stadt gestaltet wurde, für die sie gemacht ist.

Das zeigt, was gutes Design wirklich kann: verbinden. Es dekoriert nicht, sondern schafft Zugehörigkeit. Menschen tragen Sticker und Shirts nicht, weil sie hübsch sind, sondern weil sie sich mit dem, was dahintersteht, identifizieren. Selbst in einer Stadt voller visueller Reizüberflutung fällt das auf und bleibt hängen.

Good design can change the world

Natürlich funktioniert so etwas besonders gut in New York, einer Stadt, die Diversität atmet. Aber die Idee dahinter gilt überall: Politische Kommunikation braucht wieder Mut, Authentizität und visuelle Eigenständigkeit. Keine austauschbaren Claims, keine PowerPoint-Ästhetik, keine Fonts aus der ersten Google-Seite. Wenn man etwas von dieser Kampagne lernen kann, dann das: Menschen folgen keiner Marke, sondern Identität.

Und Design kann Identität sichtbar machen. Zohran Mamdani hat inzwischen angekündigt, ein rein weiblich besetztes Kabinett zu ernennen. Auch das ist kein PR-Gag, sondern Ausdruck von Haltung. Und genau das spürt man in der Gestaltung, sie ist ehrlich, laut, nahbar.

Für uns bei studio tülü ist das ein Beweis für das, was wir täglich leben: Design ist kein Schmuck, kein Dekor. Es ist ein Werkzeug, das Veränderung möglich macht.

Oder, um es mit unseren Worten zu sagen: Good design can change the world.

Quellen

Offizielles Press Kit der Zohran Mamdani for NYC Campaign (2025).
Design: Forge Design, Tyler Evans, Rama Duwaji.

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